Autor: Christenrat FFB

Lange Nacht der Christen 2026

Die Lange Nacht der Christen war auch in diesem Jahr ein deutliches Zeichen der Verbundenheit der katholischen und evangelischen Gemeinden in Fürstenfeldbruck. Das Motto „Viele Bilder – ein Christus“ wies bereits auf den ökumenischen Charakter dieser abendlichen Veranstaltung von fünf Gemeinden an vier Orten hin. Es ging um die Sicht auf Christus am Beispiel der Kreuzesdarstellungen der Gemeinden. Hierbei wurde zwar die Unterschiedlichkeit im künstlerischen Ausdruck deutlich, zeigte aber auch, dass deren Aussagen sich nicht widersprechen, sondern sich viel mehr ergänzen.

Zu Beginn bei der Freien evangelischen Gemeinde fanden die Teilnehmer ein sehr schlichtes Kreuz ohne die Darstellung des Gekreuzigten. Pastor Traugott Hopp erklärte, dass es dem Geist der Reformation entspricht, das Kreuz zwar als Zeichen der Erlösung zu sehen, dass die Begegnung mit Christus jedoch weniger in Bildern, sondern mehr im Wort Gottes und im Gebet erlebt werden kann.

Selbst der kurze Fußweg zur Klosterkirche Fürstenfeld war schweißtreibend, da war die Kühle dieses prächtigen Gotteshauses für die teilnehmen Christen eine wahre Erlösung. Um spirituelle Erlösung ging es in den von Gemeindemitgliedern aus St. Magdalena vorgetragenen Texten. Mit Blick auf die fast lebensgroße Darstellung des Erlösers am Kreuz des zentralen Altars, ein ehrwürdiges Relikt aus der ersten, mittelalterlichen Klosterkirche, wurde Psalm 22, „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“ gemeinsam gesprochen. Meditative Texte verdeutlichten, dass Jesu Tod vergeblich gewesen wäre, hätte er nicht in Christi Auferstehung seine Vollendung gefunden, was in der Darstellung der Aufnahme Mariens in den Himmel am Hochaltar hinter der Kreuzdarstellung zum Ausdruck kommt.

Schließlich ergriff noch in der Klosterkirche der Pfarrer der evang. Erlöserkirche, Dr. Valentin Wendebourg, das Wort und stellte die Kreuzesmystik des Zisterziensers Bernhard von Clairvaux, die ihre Darstellung in der Umarmung des Heiligen durch den Gekreuzigten fand, in den Mittelpunkt. Martin Luther, ursprünglich ein Augustinermönch, sei, so Wendebourg, 400 Jahre später ein Verehrer Bernhards und seiner Liebe zum Gekreuzigten gewesen. Der Pfarrer verteilte Bilder einer Bronzeplastik aus dem Jahr 1987 die zeigt, wie sich der Gekreuzigte liebevoll zu Bernhard und Martin Luther herabneigt.

Erstmals seit vielen Jahren erstreckte sich die Lange Nacht der Christen nicht auf einen Stadtteil, sondern auf die Altstadt und den Brucker Westen, was auch die Verbundenheit der Christen in beiden Stadtteilen zeigen sollte. Auf dem etwas längeren Weg von Fürstenfeld über die Amper und den Geisinger Steig, hatten die Teilnehmer reichlich Gelegenheit die vielen Impulse der ersten beiden Stationen geistig zu verarbeiten.

In der evang. Gnadenkirche fanden die nächtlichen Wanderer das speziell für diese Kirche gestaltete Kreuz des 2011 in Feldafing verstorbenen Bildhauers Karlheinz Hoffmann. Das Kreuz ist beweglich, kann auch an eine andere Stelle der Kirche gebracht werden, wie drei Gemeindemitglieder in meditativen Texten erklären. Und das Kreuz ist durchsichtig. Es erlaubt einen Blick hinter das Kreuz, nicht daran vorbei, sondern mitten hinein und hindurch. Es ist schlank, scheint sich nach oben zu strecken, himmelwärts. Seitlich scheint es gestützt und gehalten wie von starken Armen, die ebenfalls zum Himmel streben, ein Baum des Lebens. Hände sind zu einer Schale schützend um die gekreuzten Balken gelegt. Der Korpus ist nur zu erahnen, für die Gemeinde ein Symbol für Hoffnung, Zuversicht und Frieden in unserem Leben und auf der Welt.

Der Weg zur letzten Station, der „Blauen Kapelle“ von St. Bernhard, war nicht mehr weit. Die Seelsorgerinnen Simone Kuhbandner und Katharina Pischel und zwei Gemeindemitglieder erwarteten dort die Teilnehmer. Im Blickpunkt steht dort im Scheitel der Apsis das große Glaskreuz, welches vom Fußboden bis zur Decke reicht. Der Künstler Andreas Sobeck hat es 1999 für die neu errichtete Werktagskapelle aus buntem Glas und Stahl geschaffen. Tagsüber erhält es sein Licht durch einen schmalen, senkrechten Spalt in der Apsis.  Die Gläubigen erfuhren, dass der Künstler selbst geschrieben habe, es verbinde zeichenhaft Innen und Außen, Erde und Himmel, Sinnlichkeit und Transzendenz. Den meisten der Anwesenden war nicht bekannt, dass der aus einem einzigen Stück Draht gefertigte abstrakte Korpus auf dem Glaskreuz ein eigenhändiges Werk des damaligen Pfarrers von St. Bernhard, Herbert Ziegenaus, ist, das er mit Zustimmung des Künstlers geschaffen hat: Konturen eines körperlosen Korpus, eine Lichtgestalt am Kreuz, gegenständlich und gleichzeitig abstrakt, gekreuzigt aber auferstanden – verklärt. Es standen Blumen bereit, welche die Gläubigen vor dem Kreuz niederlegten, begleitet von leiser Musik des Kirchenmusikers Simon Probst, der jede der Stationen dieser Nacht musikalisch begleitet hat.

Es war schon fast 22 Uhr in dieser hochsommerlich schwülwarmen Nacht, als sich die meisten der rd. 40 Teilnehmer voll von positiven Gedanken noch zu einem gemütlichen Ausklang bei Gebäck und erfrischenden Getränken im Pfarrheim St. Bernhard für fast eine Stunde zusammensetzten.

Friedrich Deschauer

Ökumenischer Gottesdienst in der Friedensdekade 2025

„Komm den Frieden wecken“: Mit dem Motto der diesjährigen Friedensdekade gestaltete der Christenrat gemeinsam mit Vertretern der Gnadenkirche und des Kirchenchores einen Familiengottesdienst. Im Mittelpunkt standen fünf Stationen im Kirchenraum, die von den Teilnehmenden besucht werden konnten:

Zunächst war da die Klagemauer aus Ziegelsteinen, in die Zettel mit den eigenen Anliegen gesteckt werden konnten, eine Tafel, wo Überlegungen niedergeschrieben werden konnten, wo und wie jede/r den Frieden wecken kann,

Ein weitere Ort das Taufbecken mit dem Zuspruch eines Segentextes

Die vierte Station war ein Wasserbecken, in das Steine abgelegt werden konnten, die zuvor mit dem, was einen beschwert und ängstigt, beschriftet worden waren.

Die fünfte Station war ein Raum der Stille und Meditation

Im Anschluss trafen sich die Gottesdienstbesucher im Pfarrsaal bei Kaffee/Tee und „Friedenswecken“ bzw. Rosinenbrötchen.